Windows RT Tablets vs. Windows 8 Tablets vs. iPads

12475d1358247932-microsoft-surface-pink.jpg[1]Ich bin im Besitz sowohl eines Surface RT als auch eines Sony Vaio Duo 11 mit Windows 8 Pro. iPad Erfahrungen habe ich auch (derzeit habe ich keins). Und über Erfahrungen mit früheren stiftbasierten Tablet PCs verfüge ich auch. Ein Surface Pro mit Windows 8 durfte ich ebenfalls schon in der Hand halten.

In Kommentaren im Web, auf Facebook und auch in persönlichen Gesprächen kommt immer wieder die Frage auf: “Wozu Windows RT?” oder “Ich warte auf das richtige (sic) Surface mit Windows 8”

Doch ist Windows RT wirklich nur ein “abgespecktes” Windows 8, das auf ARM Prozessoren läuft, oder bietet es gar Vorteile, die man bei diesem Vergleich auf den ersten Blick nicht in die Kalkulation einbezieht.

Die Vorteile von Windows RT

  • Die Akkulaufzeit auf einem Tablet mit Windows RT ist mit Windows 8 und herkömmlichen x86 Prozessoren kaum zu erreichen. Mein Surface RT etwa läuft über 8 Stunden durchgehend und bleibt mehrere Tage im Standby. Die ARM Plattform ermöglicht es besonders dünne, leichte und lüfterlose Tablets mit extrem langer Akkulaufzeit zu bauen.
  • Wie ein Smartphone ist ein RT Gerät “immer an” und “immer verbunden” – Der Connected Standby bedeutet, dass ich auf ein Knopferl drücke und das Gerät quasi sofort da ist.
  • Die Einschränkung auf Windows Store Anwendungen stellen für manche auf den ersten Blick einen Nachteil dar, bietet aber in Wahrheit einige wesentliche Vorteile:
    1. Security. Da nur über den Store heruntergeladene Anwendungen ausführbar sind, ist auch die meiste Schadsoftware nicht ausführbar.
    2. Wartung. Was nicht existiert, muss auch nicht gepatcht werden. Ähnliches Argument wie bei Server Core.
    3. Bloatware. Desktop-Betriebssysteme oft von Bloatware, ineffizienten oder schlecht programmierten Programmen, Diensten oder Treiberpaketen verlangsamt, unsicherer, fehleranfälliger oder einfach nur komplexer gemacht. Bei Windows RT gibt es sowas erst gar nicht, und kann es auch per Definition nicht geben.
    4. Nutzungsverhalten. Die Einschränkung auf Windows Store Apps, Office Home & Student und eine Handvoll Desktop Apps, die Windows beiliegen, zwingt mich auch, das Gerät als das zu nutzen, was es ist, ein Tablet, ein mobiler Begleiter.

Was bringt Windows RT im Vergleich zum Beispiel mit dem iPad?

Wenn ich aber doch bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt bin, werden jetzt einige fragen, wieso dann nicht gleich zu Android Tablets oder dem iPad greifen?

  • Ich bin zwar im Vergleich zu einem Windows 8-Gerät eingeschränkt (was für mich durch die Nutzung als Zweitgerät/mobilen Begleiter und durch die oben genannten Gründe aber locker aufgewogen wird), aber ganz so viele Einschränkungen wie auf anderen Tablets habe ich natürlich wiederum nicht. Die folgende Liste gilt vor allem im Vergleich zum populären iPad, die meisten Punkte treffen aber auch auf Android-Tablets zu.
  • Windows RT Tablets bieten im Vergleich zu anderen Tablets mit ARM Prozessor (allen voran dem iPad):
    1. Anschlüsse. Datenaustausch mittels USB (normale Größe). präsentieren via Mini-HDMI. Speicher erweitern mittels Micro SD.
    2. Volle Kontrolle über das Dateisystem. Explorer. USB-Stick anschließen, Files hin- und her kopieren. Von jeder Anwendung aus uneingeschränkt auf lokal gespeicherte Files zugreifen (und übrigens auch auf in der Cloud gespeicherte Files).
    3. Mehrere Benutzerkonten. Unter Windows (auch Windows RT) selbstverständlich, auf Android Geräten nur sehr eingeschränkt, und unter iOS gar nicht möglich. Das war das was mich, als ich noch ein iPad hatte, mit Abstand am meisten gestört hat. Multi-User bedeutet für Apple: Kauf jedem in der Familie ein eigenes iPad.
    4. Ein vollwertiges Office, mit allen Funktionen (außer VBA und Add-Ins), geeignet auch für die Bearbeitung komplexer Dokumente und die Bedienung Maus und Tastatur (oder auch Touch) ist in der Home & Student Variante bereits kostenlos enthalten. Kein Bedarf für irgendwelche abgespeckten, Touch-Office-Klone mit stark eingeschränktem Funktionsumfang. Mein gewohntes Office. Dass Outlook fehlt stört mich übrigens nicht – da wären wir wieder beim Thema Nutzungsverhalten. Auf einem Tablet (=mobiler Begleiter) lese ich meine Mails lieber mit der Mail App.
    5. Unterstützung voller Webseiten, samt HTML5 und Adobe Flash. Flash-Unterstützung in ausgewählten Seiten bedeutet zwar nicht, dass man jede beliebige Flash-Seite öffnen kann, ist aber mehr Flash Unterstützung als es das iPad je hatte.
    6. Multitasking Am Desktop sowieso, aber auch in der Startseite, lassen sich zwei Windows Store Apps gleichzeitig, nebeneinander öffnen. Sehr nützlich und am iPad nicht möglich.
    7. Picture Password. Okay, okay. Sicherlich kein alleinstehender Kaufgrund. Aber “Nice to have”

Wozu dann Windows 8?

Wenn doch das alles so toll - bzw. für ein Tablet mehr als ausreichend - ist und in vielen Bereichen (siehe obige 7 Punkte) sogar Vorteile zum Tablet-Mitbewerb bringt, wozu denn dann noch Tablets mit Windows 8 oder Windows 8 Pro? Wozu z.B. das Surface Windows 8 Pro kaufen?

Das mobile Arbeiten ist immer mehr im Vormarsch. In vielen Branchen und für viele Menschen ist es nicht mehr wegzudenken. Für Gute Internetabdeckung, sei es 3G/4G oder WLAN sowie die Trends Consumerization of IT und BYOD (Bring your own device) treiben diesen Trend voran. Zugegeben: Vieles ist bereits mit iPads möglich, auch Geschäftliches. Aber nicht alles, und sehr vieles wird per Definition nicht möglich sein, z.B. alles, was die Leistung eines ARM Prozessors übersteigt, oder die Präzision einer Maus (oder eines Stifts) oder das Eingabetempo einer echten Tastatur erfordert, oder ein gewisses Maß an Kontrolle und Security, Multi-User usw. Die Business-Welt und BYOD besteht halt nicht nur aus Geschäftsführern, die  beim Golfspielen am iPad KPIs und Umsätze mit SAP checken. Viele Anwender brauchen halt auch ganz normale Desktop-Anwendungen und das wird auch weiterhin so bleiben. Und viele Anwender wollen nur ein Gerät, und auch daran wird sich für viele nichts ändern. Eine klare Trennung, hier Consumer dort Business, gibt es nicht. Ein Windows 8 Tablet bietet im Vergleich zum iPad das beste aus beiden Welten. Das hat Microsoft meiner bescheidenen Meinung nach viel, viel besser verstanden als Apple. Microsoft kommt halt auch vom Geschäftskunden, während Apple vom Privatkundengeschäft kommt (iPod, iTunes…)
Das zentrale Verwalten und Absichern von Geräten der Mitarbeiter (und der Daten darauf) ist die größte Herausforderung von BYOD für die IT-Abteilungen in Unternehmen. Mit Windows 8 ist das dank Domain Join, Bitlocker, Gruppenrichtlinien, Network Access Protection, Direct Access u.v.m. uneingeschränkt möglich. Auch die Einschränkung auf (Touch-)Apps aus diversen Stores – egal ob bei iOS im Appstore, bei Android im Playstore oder bei Windows RT im Microsoft Store, ist für viele Geschäftskunden (aber auch nicht wenige Privatnutzer) ein zu großer Nachteil. Ich habe von Fotografen gehört, die mir gesagt haben, es soll auch eine vollwertige Version von Photoshop, Lightroom und Photomatix auf ihren Tablet und sie wollen deshalb kein iPad/Surface sondern ein Surface Pro oder Sony Vaio Duo 11. Stifteingabe, Handschrifterkennung, alle Vorteile die Windows Tablet PCs schon Jahre vor dem iPad hatten, spielen da auch noch hinein. Geschäftskunden, die ihre ERP Clients oder sonstige x86 Branchensoftware auch dem Außendienstler am Tablet mitgeben wollen (oder Außendienstler die eben nicht mehr zwei Geräte – Tablet und PC – herumschleppen wollen). Oder einfach ein mobiler Worker der wirklich mit einem einzigen Gerät auskommen will. So bietet ein Surface Pro etwa einen Displayport Anschluss, USB3.0 uvm. ein Sony Vaio Duo 11 sowohl VGA als auch HDMI und Docking-Station Adapter, beide Full-HD Auflösung und ausreichend Leistung für einen externen Monitor. Wieso also nicht so ein Windows 8 Tablet auch als einzigen Rechner, und auch am Arbeitsplatz nutzen. Es spricht nichts dagegen. Bei einem iPad wäre das hingegen, bis auf sehr wenige Ausnahmen, undenkbar. Ich kenne jedenfalls niemanden, der nur ein iPad hat, beruflich wie privat, am Desktop wie unterwegs.

Fazit

Ein Windows RT Tablet bietet eine Vielzahl der Vorteile aktueller Consumer Tablets (wie lange Akkulaufzeit, connected Standby). Für ein Windows RT Tablet ist imho der Vergleich mit anderen ARM-basierten Tablets wie iPads oder Androiden daher zulässig, wenngleich das RT Tablet viele Vorteile bietet, wie Anschlüsse, Filesystem, Office, u.v.m. (siehe oben). Ein Windows 8 Tablet hingegen ist auch uneingeschränkt “Ready for Business” und sollte imho gar nicht mehr direkt mit iPad oder android verglichen werden, sondern eher mit Business Tablet PCs, wie es sie schon seit Jahren gibt. Nur mit dem Vorteil, dass sie nun auch wirklich fingertauglich und mittlerweile viel kleiner und leistungsfähiger sind.

Ich werde weiterhin – jedenfalls solange RT Tablets kleiner und dünner sind und eine längere Akkulaufzeit haben – bei Windows RT bleiben.

Hinweis: Dies ist mein privater Blog. Dieser Beitrag spiegelt meine Privatmeinung wieder, ist in meiner Freizeit entstanden, und ich erhalte keine finanzielle Entschädigung für diesen Beitrag. Ich stehe zwar Microsoft seit Jahren als selbstständiger Trainer und Technology Insider zur Verfügung, bin aber kein Mitarbeiter von Microsoft. Dieser Hinweis ist notwendig geworden, weil Microsoft nicht sehr wohlgesonnene “Journalisten” sich leider in letzter Zeit von angeblich bezahlten Kampfpostern verfolgt fühlen, und ich so einer sein soll.
Da ich meine Meinung in Kommentaren auf den Plattformen dieser “Journalisten” in nächster Zeit etwas zurücknehmen werde, mich aber nicht gerne meiner Redefreiheit berauben lasse, werde ich vermehrt meinen privaten Blog nutzen, um meine Meinung kundzutun.

Kommentare (1) -

RP
RP
06.03.2013 14:16:01 #

Die Windows RT Companion VDA im Windows 8 Enterprise ist auch nicht zu verachten.

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Über den Autor

MCTS

Christian Haberl Christian Haberl ist seit mehr als 10 Jahren als EDV Berater, Vortragender und Trainer tätig. Er kann sich nicht für ein Spezialgebiet entscheiden, drum heißt dieser Blog auch "Kraut & Rüben Blog" - Unter seine Interessen fallen Web-Entwicklung auf ASP.NET Basis, Information Worker & Productivity Technologien (Windows, Office), Server (Windows Server, Small Business, Virtualisierung, Exchange), Scripting, Spam Filtering/Security und Digital Home. Christian Haberl ist auch einer der führenden Produktspezialisten für Windows Media Center und Windows Home Server und ist Direktor des ClubDigitalHome.
Im Jahr 2008 hat Christian Haberl über 200 Vorträge und Schulungen durchgeführt.
Im Frühjahr 2009 wurde Christian Haberl von Microsoft Österreich zum "Influencer" ernannt, weiters wurde er Microsoft Certified Technology Specialist / Microsoft Certified Connected Home Integrator sowie Microsoft Certified Consumer Sales Specialist.

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