High Performance Audio Workstation auf Windows 7 killt jeden Mac

by ChristianH Juni 11, 2009 13:44

Kürzlich meinte ein Freund er würde sich für sein Tonstudio gerne einen neuen Computer kaufen.
Anforderungen:

  • Professionelle mehrspurige Audioproduktion von Preproduction bis Mastering, aber auch Videoschnitt.
  • 4 Full HD Monitore gleichzeitig ansteuerbar
  • Genug PCI und PCIe Slots für Soundkarten

Er wollte ursprünglich einen Mac in der 3000-5000€ Preisklasse anschaffen. Ich meinte dann “Wozu? – Ein Windows PC hat bei niedrigeren Kosten mehr Performance und unterstützt auch alle Hard- und Software die du brauchst.”
Er meinte, das hätte er von anderen auch schon gehört und ich sollte mal loslegen und ihm so eine Workstation zusammenstellen.

Langer Rede kurzer Sinn, es wurde eine maßgeschneiderte 64Bit Workstation von DiTech mit Windows 7 mit phänomenalen Leistungsdaten – ich hatte noch nie so einen schnellen Computer aufgesetzt, und es wird sicher auch noch 2 Jahre dauern bis solche Leistungsdaten Standard werden.
Kostenpunkt: 1979,22€ inkl. 20% MWSt.

Der folgende Screenshot vom Leistungsindex unter Windows 7 ist kein Fake! -Leistungsindex 5,9 - 6,4 - 7,4

COOLER MASTER HAF 932

Unter Vista war ja übrigens 5,9 noch der Höchstwert, d.h. unter Vista hätte dieses System den Leistungsindex gesprengt.

Die VelociRaptor Festplatten mit 10000 rpm und 4,2ms Zugriffszeit könnte man noch stripen, also zu einem Raid-0 Verbund zusammenschließen, dann würde der “niedrigste” Wert von 5,9 für die Festplatte sich auch noch deutlich erhöhen. Das wollte der Kunde aber nicht.

Hier die Specs:

  • Gehäuse Miditower COOLER MASTER HAF 932 
  • Netzteil ATX 625 Watt, ENERMAX PRO82+
  • Mainboard S-1366 ASUS P6T, ATX       
  • Prozessor INTEL Core i7-920, 2,66GHz, Quad-Core
  • Prozessorkühler THERMALRIGHT TRUE Black 120 LGA775/LGA1366                   
  • Lüfter NOISEBLOCKER 120x120x25 BlackSilent Fan XLP, PWM
  • 12GB DDR3-Arbeitsspeicher – DDR3 RAM KIT 6144 MB, PC3-1600 MHz, CL8, CORSAIR Dominator
  • Grafikkarte PCI-E 2.0 SAPPHIRE Radeon HD 4850 X2, Full Retail, 1024MB
  • 2 x Festplatte SATA II Western Digital VelociRaptor, 300 GB, 16MB Cache
  • DVD-+R/-+RW IDE LG GH-22LP20, LightScribe, Bulk, Schwarz

Ein geniales System! – Zwei kleine Imperfektionen sind eben das fehlende Raid 0 und die Tatsache, dass es in dieser Leistungsklasse keine passiv gekühlten Grafikkarten mit 4 x DVI Anschluss gibt, und die Lüfter der Grafikkarte daher mehr Lärm machen als das gesamte restliche System, das mit seinen großen Lüftern fast lautlos ist. (2 passive Grafikkarten mit je 2 Anschlüssen zu nehmen war keine Option, da dadurch zu viele PCI/e Slots belegt werden, welche aber für Sound und Effektkarten benötigt werden.

Software und Hardwaremäßig verwendet der Kunde zusätzlich noch:CC121

  • Windows 7 RC 64Bit
  • Cubase 5 64Bit
  • Steinbergs CC121 Advanced Integration Controller
  • Universal Audio UAD-1 DSP Karte
  • MOTU 24i/o - 24-channel 24-bit audio interface an Motu 424 PCIe-Card
  • Hammerfall Multiface an HDSP-PCI-Card

Ich war extrem positiv überrascht, dass es für alle diese Geräte bereits Windows 7 Treiber und 64Bit Treiber gibt – teilweise schon explizite Windows 7 Treiber, teilweise als Vista Treiber ausgezeichnete Treiber, die aber einwandfrei unter Windows 7 funktionieren. Cubase 5.0.1 läuft auch einwandfrei als native 64Bit Anwendung, das gleiche gilt für die Software des CC121.

Leider nutzte der Kunde bisher eine sehr alte Version namens Cubase vst 5 r3 – und meint dass der Umstieg auf das neue Cubase sehr aufwendig für ihn sein wird, da man viel umlernen muss. Es bleibt daher noch zu prüfen, ob er für einen langsamen Umstieg paralell noch die alte Cubase VST 5 r3 verwenden kann. Virtual XP / XP Mode fällt als Option hier vermutlich weg, da er damit vermutlich nicht auf die Soundkarten durchgreifen kann.

Fazit:

  1. Einen Mac mit vergleichbarer Konfiguration und Leistungsdaten kann man derzeit gar nicht zusammenstellen, bzw. selbst wenn es ginge kostet er bei vergleichbarer Leistung viel, viel mehr. Selbst der günstigste Mac Pro ist schon teurer als dieses System. Wenn man den Mac so weit hochkonfiguriert wie möglich, zahlt man bereits 2700 EUR und hat immer noch einen älteren Prozessor, keine 4 DVI Anschlüsse oder nicht genug PCI Steckplätze, weniger Arbeitsspeicher, nur DDR2, nicht DDR3, eine langsamere Festplatte etc.
  2. Windows 7 64 Bit wird im professionellen Audiobereich bereits jetzt hervorragend supported, sowohl von der Hardware / den Treibern her, als auch von der Software her.
    Ich hoffe daher, dass nach dem professionellen Printbereich, der in den letzten Jahren massiv von Mac zu Windows abgedriftet ist und dank der 64Bit Unterstützung von Adobe CS4 exklusiv unter Windows weiter abdriftet, auch der professionelle Audio Bereich einen solchen Wechsel von Apple zu Microsoft erleben wird.
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Windows 7

Kommentare

27.10.2009 13:51:21 #

Andreas

Schönes Maschinchen, das Du da zusammengezimmert hast. Und da er auch sonst sehr gute "externe" Hardware benutzt, rennt die Kiste bestimmt wie die Hölle.

Andreas Germany

27.01.2010 08:07:15 #

Rod

Hallo,
für eine Audio Workstation braucht man keine phänomenale Grafikkarte, da es um Audioproduktion geht. Da würde ich lieber eine passive Grafikkarte nehmen, weil: Macht weniger Krach im Studio.

Und zweitens: Ein Mac läuft mit Mac OS und nicht mit Windows. Das ist der entscheidende Unterschied. Denn Mac OS basiert auf dem hocheffizienten Unix BSD. Eine Mac OS - Installation ist selbst bei größerem Funktionsumfang und mehr beinhalteten Programmen nur halb so groß wie eine Windows-Installation. Mac OS läuft ähnlich wie Linux noch auf Hardware mit geringeren Leistungsdaten extrem schnell, stabil und vor allem mit geringster Latenz.

Ein Windows kannst Du auf eine noch so schnelle Workstation draufpacken, es wird niemals mit so einer geringen Latenz und so Performant wie Mac OS laufen, weil es nicht auf die Hardware, sondern aufs Betriebssystem ankommt.

Das Optimalste, was ich bisher gesehen habe war ein von einem Linux-Fachmann eingerichtetes Ubuntu-Studio mit speziellem Echtzeitkernel. Die Latenz auch bei geringeren Hardware-Anforderungen - ein Traum. Die Möglichkeiten und Parameter der Software bieten unendliche Möglichkeiten, weil die Programmierer den Anwender nicht für einen totalen Idioten halten. Nachteil: Die Bedienung der Software ist natürlich komplexer als man es von Mac- und Windows-Programmen her kennt und erfordert einige Einarbeitung. Aber das Ergebnis ist professionell und unnachahmlich. Es wird einem da nicht mehr passieren, dass Leute sagen: "Das hast Du mit Ableton gemacht". Oder "das hört sich verdammt nach Cubase an".

Rod Germany

27.01.2010 10:18:39 #

ChristianH

Lieber Rod,

Vielen Dank für deine Belehrung.
Lies' noch mal genau:
- Videoschnitt war auch eine Voraussetzung
- 4 Full HD Monitore anschließen war eine Voraussetzung
Daher die Wahl der Grafikkarten.

Mac schied bei diesen Anforderungen schon von vornherein aus, es gab zum Zeitpunkt dieses Projekts keinen Mac mit entsprechenden Grafikkarten bzw. überhaupt keine vergleichbaren Konfiguriationen von Apple.

Die Grafikkarten waren zunächst passiv, das belegte aber zuviele Steckplätze, da es passiv nur 2x Karten gibt, keine 4x Karten. Er braucht die Steckplätze allerdings für seine diversen Soundkarten. Da das Gerät in einem schalldichten Zwischenraum steht, spielt die aktive Kühlung keine Rolle, aber ich halte es auch für eine geringfügige Imperfektion, dass die Grafikkarte nicht passiv gekühlt ist.

"Ein Mac läuft mit Mac OS" - Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Nachteil. Windows 7 64Bit ist Mac OS in jeder Hinsicht überlegen und ich muss dich korrigieren - der Footprint eines frisch installierten Mac OS X Snow Leopard und eines frisch installierten Windows 7 64Bit ist identisch - abgesehen davon, dass das überhaupt kein Kriterium ist, bei heutigen Festplattengrößen.
Eine Latenz war übrigens schon bei dem vorigen System (7 Jahre alt, Windows XP) nicht vorhanden - die hängt in erster Linie vom Treiber der Soundkarte ab.

Linux? Haben dich alle guten Geister verlassen? Das ist ein professionelles Tonstudio eines Komponisten.
1.) Cubase ist Voraussetzung - der Komponist arbeitet seit Jahren damit - es kommen täglich Sänger und Musiker zum Einspielen - das letzte was er will ist umlernen
2.) Er verwendet Profisoundkarten mit 24 Spuren und Effektkarten für die es allesamt keine Linux Treiber gibt, geschweige denn dass die Effektkarten ohne Cubase funktionieren würden, dazu noch einen Steinberg Integration Controller der in sein Mischpult eingelassen ist, der ebenfalls nur mit Windows/MacOS und Cubase funktioniert
3.) Er verwendet schweineteure Instrumente und Effekte, die allesamt für seine bisherigen Songs benötigt werden - nicht nur dass damit tausende Euro verloren gingen, gibt es dafür keinen Ersatz unter Linux.

Deine Mac Argumentation ist ja noch irgendwie nachvollziehbar zumal Apple oft in Tonstudios eingesetzt wird - obwohl sie ausser acht lässt, dass Apple die Anforderung des Kunden eben nicht(!) erfüllen konnte und auch doppelt so viel gekostet hätte bei geringerer Leistung.
Aber Linux(!) für ein professionelles Tonstudio zu empfehlen zeigt, wie wenig Ahnung du von der Komplexität dieser Materie hast. Wenn du das einem professionellen Komponisten wie meinem Kunden in sein für hunderttausende Euro eingerichtetes Tonstudio stellst und ihm dann sagst, dass er fast seine gesamte Hardware und Plugins/Effekte/Instrumente nicht mehr verwenden kann, und auch noch umlernen muss (wofür er weder Zeit noch Lust hat), fliegst du in hohem Bogen bei der Tür 'raus!

ChristianH Austria

21.03.2010 11:16:32 #

StefanK

Hallo ChristianH,

habe einen ähnlichen Rechner wie du zusammengebaut:

ASUS P6T6 WS Revolution
Core i7-920
ASUS GTX 285
CORSAIR Dominator 6GB DDR3 RAM KIT 6144 MB, PC3-1600 MHz, CL8
VelociRaptor, 300 GB, 16MB Cache

leider habe ich ein BlueScreen Problem unter Windows7 Ultimate 64-Bit, das hatte ich unter Vista 64-Bit nicht. Ich habe bisher vermutet, dass die VelociRaptor unter Windows7 nicht kompatibel ist. Dein Rechner scheint jedoch ordentlich zu laufen, hast du spezielle Einstellungen im Bios vorgenommen damit die Platten liefen?

Vielen Dank für eine Rückmeldung im Voraus.

StefanK Germany

04.07.2010 17:35:41 #

Yann

Salut!

Klingt sehr spannend. Ich setze bei DAW auch auf Windows, vor allem wegen der geringeren Kosten. Welche Windows 7 Version hast du denn verwendet? Ich liebäugle mit dem Update von XP, da doch vor allem die 64-bit Unterstützung ganz aufregend klingt.

Viele Grüße,
Yann.

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22.11.2011 13:30:04 #

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Über den Autor

MCTS

Christian Haberl Christian Haberl ist seit mehr als 10 Jahren als EDV Berater, Vortragender und Trainer tätig. Er kann sich nicht für ein Spezialgebiet entscheiden, drum heißt dieser Blog auch "Kraut & Rüben Blog" - Unter seine Interessen fallen Web-Entwicklung auf ASP.NET Basis, Information Worker & Productivity Technologien (Windows, Office), Server (Windows Server, Small Business, Virtualisierung, Exchange), Scripting, Spam Filtering/Security und Digital Home. Christian Haberl ist auch einer der führenden Produktspezialisten für Windows Media Center und Windows Home Server und ist Direktor des ClubDigitalHome.
Im Jahr 2008 hat Christian Haberl über 200 Vorträge und Schulungen durchgeführt.
Im Frühjahr 2009 wurde Christian Haberl von Microsoft Österreich zum "Influencer" ernannt, weiters wurde er Microsoft Certified Technology Specialist / Microsoft Certified Connected Home Integrator sowie Microsoft Certified Consumer Sales Specialist.


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