Exchange ActiveSync vs. Blackberry

by ChristianH März 12, 2009 14:42

Blackberry ist nicht nur ein Produkt der kanadischen Firma Research In Motion Limited sondern ein modernes Buzzword der letzten Jahre, wobei jeder weiß, was damit gemeint ist: Push-Mail – Immer verbunden zu sein mit dem Mailserver. Abfällig sprechen manche Zeitgenossen schon vom “Crackberry” weil viele Anwender sich wie Süchtige verhalten.

Immer wieder habe ich mit Kunden zu tun, die diese Funktionalität zwar schätzen, über die Kosten für den Dienst, die Verwaltbarkeit und die geringe Auswahl an Endgeräten (und oft auch über die Endgeräte selbst) unzufrieden sind.

Ich frage sie dann ob sie denn einen Exchange Server hätten. “Ja.” -

Wenn ich dann darauf hinweise, dass mit Exchange Server 2003 SP2 und Exchange Server 2007 ja sogar mit Small Business Server 2003 und Small Business Server 2008 Push Mail und Kalender, Kontakt und Aufgabensynchronisation in Echtzeit möglich sind, sind die meisten Kunden erstaunt, haben noch nie davon gehört, oder zumindest nicht gewusst dass das praktisch ohne Zusatzaufwand und gänzlich ohne Mehrkosten möglich ist.

Woran liegt das? An der schlechten Kommunikationspolitik von Microsoft? An dem unklaren und nicht besonders einprägsamen Produktnamen “Exchange ActiveSync”, “EAS,”, “Exchange Push”, “Windows-Server-Sync”, “Exchange Server-Sync” an dem besseren Marketing von RIM?

Oder ist das Produkt von Microsoft nicht ausgereift? – Mitnichten, schließlich gab es eine Exchange Lösung schon seit dem Mobile Information Server 2002.

Ist es vielleicht die mangelnde Auswahl an Endgeräten?

Wohl kaum. Exchange ActiveSync wird unterstützt von:

  • Windows Mobile basierten Smartphones (HTC, Samsung, Sony-Ericsson usw.)
  • Vielen Symbian basierten Smartphones (auch Nokia hat EAS lizenziert!)
  • Apple iPhone und iPod Touch (ja sogar Erzrivale Apple nutzt EAS und zahlt dafür Lizenzgebühren nach Redmond)
  • Auch das neue Google Phone wird möglicherweise EAS unterstützen (Gerücht?)

Somit unterstützen die beliebtesten (Business-) Smartphones fast ausnahmslos EAS (eine Ausnahme sind natürlich die Blackberry Endgeräte selbst)

Ich kann mit dem Exchange Server folgendes in Echtzeit (Push/Pull) synchronisieren:

  • E-Mail
  • Kontakte
  • Kalender
  • Aufgaben

Weiters kann ich

  • Termine zur Nachverfolgung markieren oder als “erledigt” markieren
  • Elementen eine Kategorie zuweisen
  • das globale Adressbuch meines Unternehmens durchsuchen
  • Gesprächsanfragen senden und bestätigen
  • in meinem Mailordner (direkt am Server) nach Mails suchen (in Echtzeit, mit bestenfalls wenigen Sekunden Wartezeit habe ich eine Volltextsuche ausgeführt mit der ich auch ältere Mails, die auf meinem Gerät nicht offline verfügbar sind, rasch und einfach finde)
  • Kontaktfotos synchronisieren
  • auf UNC Pfade und SharePoint Libraries zugreifen
  • u.v.m.

Das ganze funktioniert sicher (SSL), schnell (Kompression usw.)
Will ich z.B. eine Mail mit einem 2MB Attachment von meinem Mobile weiterschicken, muss ich das Attachment nicht herunterladen um es dann wieder (beim Versenden) hochzuladen, sondern es wird direkt am Server verschickt, das selbe gilt für lange Mails, HTML formatierte Mails auf Endgeräten, die nur-Text Mails unterstützen, hier kümmert sich auch der Server darum, dass die Formatierung nicht verloren geht.

Was ist also das Problem, warum ist BlackBerry so viel bekannter? (ob es nur bekannter ist, oder auch häufiger genutzt wird, kann ich nicht beurteilen.)

Ist EAS zu teuer? Nö. Kostet nichts. Ist kostenlos.

Warum um alles in der Welt würde man denn dann BlackBerry statt EAS verwenden? Vor allem wenn man schon einen Exchange Server hat, sehe ich wirklich keinen einzigen Grund. Wer einen kennt, bitte posten!

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Exchange Server

Kommentare

14.07.2009 11:24:50 #

Christian Maeder

Hallo. Blackberry bietet einige Vorteile, die man bei EAS nicht hat.
Sicherheitsaspekte, Support, Policies, etc..
Zudem ist die Synchro bei BB präzieser und verursacht dank dem RIM Protokoll erst noch weniger Datenverkehr.
usw.. Siehe BONZ bloggt.
LG
Christian

Christian Maeder Switzerland

14.07.2009 12:02:04 #

ChristianH

@Christian Maeder - Schöne Grüße in die Schweiz!

Policies gibt's bei EAS auch. Security auch (Verschlüsselung, Remote Wipe etc.). Beides allerdings nur mit Windows Mobile, nicht mit Nokia oder Iphone. Allerdings ist das ja bei BB auch so, dass man die erweiterten Policies und Security Features nur mit Geräten von BlackBerry bekommt.
"Weniger Datenverkehr" ist zumindest im Inland nicht wirklich ein Argument. Im Schnitt verursacht 1 Mitarbeiter (bei mir zumindest) mit EAS nur 10MB Traffic, voller E-Mail Body, Attachments nur bei Bedarf laden. Ist bei 3-10GB(!) Volumen pro Mitarbeiter recht uninteressant ob das jetzt ein paar MB auf oder ab sind. (Ich weiß wir sind in Österreich etwas verwöhnt mit unseren Mobilfunktarifen) Da verbrauchen die meisten Mitarbeiter mit Facebook und Konsorten am Mobile mehr Traffic.
Und Support? Wenn ein Admin für den Betrieb von EAS Support braucht, dann ist er fehl am Platz, das ist so deppeneinfach einzurichen und zu verwalten. Und letztlich ist Exchange Server eines der am besten supportetsten Produkte überhaupt, sowohl kostenfrei (Communities etc.) als auch über Microsoft's kostenpflichtigen Support.
Was bedeutet präziser? Ich bekomme alle Mails, Kontakte, Aufgaben und Termine binnen Millisekunden 1:1 auf mein Mobile - was kann da präziser sein?

Selbst wenn im Detail ein paar Vorteile liegen mögen bei BB/RIM, die wenigsten kaufen es deswegen sondern entweder weil sie nicht wissen, dass ihr Exchange das meiste davon Out-of-The Box kann, oder weil irgendeiner ihrer Manager meint nicht cool oder wichtig genug zu sein, wenn er keinen Blackberry hat. (Habe ich auch schon erlebt dass das Top-Management gegen den Willen der IT Abteilung Blackberry durchgeboxt hat, einfach weil der CEO und noch ein zweiter sich das eingebildet haben...)

ChristianH Austria

22.07.2009 14:32:23 #

Rafiki

Hallo Christian,
schöner Artikel, gut geschrieben.

Ich sehe die Vorteile für EAS aus der Sicht des Anwenders und stimme dir zu. Kost mit dem Exchange nix, können die meisten Geräte. Gerade für keine und mittlere Betriebe eine echte alternative zum BlackBerry.

Nach meiner Meinung ist der Blackberry dank der reduzierten Emails (nur Text) erheblich sparsamer mit dem Datenvolumen. Gerade außerhalb der UMTS/EDGE Abdeckung, z.B. im Urlaub oder im Weltweiten Einsatz haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Sogar in Tunesien und Argentinien einfach problemlos.  

Die policies (Regeln) sind beim BB sehr detailliert. z.B. alle meine User bekommen dieses Software update, oder dürfen jene Software nicht installieren. Browsen im Internet, ja direkt, nein oder nur über die Verbindung in unsere Firma über den Proxy unserer Firma mit den Regeln unserer Firma. Alle Daten auf unseren BB müssen nach XY norm verschlüsselt sein, oder auch nicht. Benutzer muss Kennwort jetzt ändern oder sein Gerät wird remote gesperrt bis der User z.B. die EDV anruft.  Integration in z.B. SAP, (Beispiel: "Ja, diesem Vertrag zustimmen und Produktion auslösen") über die sicheren Kommunikationswege des BB.  

Zusammenfassend würde ich sagen: Dein iPhone mit deinen Emails, deinen Apps und deiner Musik gehört dir und ein BlackBerry ist Eigentum der Firma und unterwirft sich den Regeln der Firma. Was besser ist hängt wohl auch von der Unternehmenskultur ab. Kreative, Marketing, Werbebranche, Künstler -> iPhone. Großer Konzern, Versicherung, Militär, Behörde -> BlackBerry. Alle anderen können sich überlegen was für sie wichtig ist. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Gruß Rafiki

Rafiki Germany

24.07.2009 16:45:43 #

Rafiki

bitte gestatte mir einen kleinen Nachtrag zu meinem eigenen Kommentar. Das Datenvolumen ist im eigenen Land bei einer Flatrate fast egal. Im Ausland bezahlt man aber Roaming Gebühren, insbesondere auch für das Datenvolumen. Das kann in einigen Ländern (Roaming Mobilfunkanbietern) ganz schön teuer werden wenn der 50KB-Datenblock dann mit 70ct abgerechnet wird.  
Ein Blackberry, der die Emails synchronisiert, kommt im Monat mit ca. 5MB aus, das ActiveSync braucht da das 10 bis 20fache nach meiner Erfahrung. Auch weil das iPhone (Smartphone) die Anhänge selber lädt und darstellen kann. Der Blackberry bekommt nur die Textinhalte mit wenigen KB, nicht aber die eigentliche Datei.

Dein Blog Eintrag heiß ganz deutlich ActiveSync vs. BlackBerry. ActiveSync ist nicht schuld daran wenn ein Endgerät mangelhafte Sicherheit aufzeigt. Heute beim lesen der heise News: Ein iPhone verschlüsselt nicht wirklich sicher, der Blackberry aber gilt so einigermaßen als sicher.

www.heise.de/.../142543

www.heise.de/.../119480

Erneut gilt für beide Punkte, die Sicherheit der Geräte bzw. das Datenvolumen: Es kommt drauf an wie das Gerät genutzt werden soll. Zum Fun und frei sein im eigenen Land mit einem EUR 45 flatrate* Vertrag oder sicher und eingegrenzt durch die Firma, aber weltweit für EUR 20. In einem Betrieb mit 100 mobilen Benutzern macht das durchaus einen Unterschied.

*) Fußnote der T-mobile in Deutschland: Ihre Flatrate beinhaltet nur die ersten 300MB im Monat danach reduzieren wir sie automatisch auf ISDN Geschwindigkeit.

Gruß Rafiki

Rafiki Germany

24.07.2009 20:11:59 #

ChristianH

Öhhh... - eigentlich ist das iPhone nicht das erste Gerät was mir als Blackberry Killer einfällt. Windows Mobile Geräte sind diejenigen die vieles von dem von dir erwähnten können. Im Ausland nur Kopfzeilen herunterladen, Policies, Verschlüsselung, viele Formfaktoren usw. Soviel ich weiß kann das iPhone nicht einmal aufgaben synchronisieren. Daher gebe ich dir grundsätzlich Recht, wenn du sagst iPhone ist eher nichts für Unternehmen, Blackberry schon, nur vergisst du da Windows Mobile. Mir ging's in dem Artikel auch durchaus nicht darum zu behaupten, dass Blackberry gar keine Vorteile hat, sondern darum, dass sich viele Kunden gar nicht darüber im Klaren sind, dass sie vieles von dem womit Blackberry wirbt, bei ihrem Exchange Server bereits gratis dabei haben. Das wissen die wenigsten.
Exchange ActiveSync braucht sicher nicht das 10 bis 20fache, wie gesagt meine Frau synchronisierte jahrelang mit ihrem Windows Mobile E-Mails und hatte nur ein 10MB Paket, Exchange ActiveSync und/oder Windows Mobile rechnen die Mails natürlich auch herunter, zu dem kann ich einstellen, ob ich nur Kopfzeilen, die ersten X KB usw. möchte. Das das am iPhone mehr sind, liegt imho nicht am Synchronisierungsstandard, sondern am iPhone. Deswegen hat meine Frau seit sie von Windows Mobile auf das iPhone umgestiegen ist, auch ein größeres Datenpaket.
Ad T-Mobile Deutschland: Ihr Deutschen tut mir leid mit euren Handyanbietern Wink

ChristianH Austria

06.09.2009 10:47:34 #

Werner

Noch ein Nachtrag: EIn zur Zeit großer Nachteil von Blackberry gegenüber Sync mit einem Windows Mobile ist, dass viele  Nutzer (siehe Blogs) Probleme mit der Sync haben, wenn mit BB mehrere Postfächer abgerufen werden. Mir selbst passiert es immer wieder, dass der BB Termine aus dem Kalender löscht (trotz "Ständig behalten" in den Optionen) und dann bei der nächsten Sync auch aus Outlook!!!
Das ist mir mit WM noch nice passiert.
LG Werner

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Christian Haberl Christian Haberl ist seit mehr als 10 Jahren als EDV Berater, Vortragender und Trainer tätig. Er kann sich nicht für ein Spezialgebiet entscheiden, drum heißt dieser Blog auch "Kraut & Rüben Blog" - Unter seine Interessen fallen Web-Entwicklung auf ASP.NET Basis, Information Worker & Productivity Technologien (Windows, Office), Server (Windows Server, Small Business, Virtualisierung, Exchange), Scripting, Spam Filtering/Security und Digital Home. Christian Haberl ist auch einer der führenden Produktspezialisten für Windows Media Center und Windows Home Server und ist Direktor des ClubDigitalHome.
Im Jahr 2008 hat Christian Haberl über 200 Vorträge und Schulungen durchgeführt.
Im Frühjahr 2009 wurde Christian Haberl von Microsoft Österreich zum "Influencer" ernannt, weiters wurde er Microsoft Certified Technology Specialist / Microsoft Certified Connected Home Integrator sowie Microsoft Certified Consumer Sales Specialist.


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