Einer der am meisten genannten Vorteile von Vista ist die Hardwareunabhängigkeit, konkret die Fähigkeit eines Vista Images auf jeder beliebigen HAL fehlerfrei zu booten.
Wie so oft wurde ich wieder einmal unfreiwillig zum Versuchskaninchen, nachdem mein mittlerweile 4 Jahre altes Asus P4P800 SE samt Pentium 4 Prescott 3GHz und 2GB RAM die Löffeln abgab.
Bei so alter Hardware wollte ich mir gar nicht die Mühe machen, herauszufinden ob es jetzt die CPU oder das Mainboard waren, die den Geist aufgegeben hatten. Die Grafikkarte konnte ich ausschliessen, da hatte ich ein zweites, baugleiches Modell, mit dem das Bild auch nur schwarz blieb.
Jedenfalls entschied ich: Mein PC, der ein relativ neues Gehäuse, neue Festplatten und DVD-Laufwerke hat, braucht ein neues Innenleben.
Ich kaufte daher bei meinem Lieblingshändler NRE in Purkersdorf:
- 1 Core 2 Duo E6750
- 1 Mainboard Gigabyte P35-DS3R
- 1 Gigabyte Geforce 8600 GT
- 1 Netzteil Seasonic SI2 II
- 4 x 1 GB Speicher Kingston HyperX PC2-6400U CL5-5-5-15
- Scythe Mugen CPU Kühler
Stromsparen war mir wichtig, denn mein Desktop PC läuft rund um die Uhr.
Lautstärke war mir wichtig, denn er steht im Wohnzimmer.
So hatte ich bis auf eine etwas stärkere CPU und einen anderen CPU Kühler genau die gleichen Komponenten gewählt wie im Bauvorschlag 3 der Computerzeitschrift c't Ausgabe 25/2007, Seite 105.
Meine erste große Überraschung nach der Assemblierung war, dass das Ding nicht mehr hörbar ist. Böse Zungen können jetzt sagen, dass das daran liegt, weil es vom Media Center auf der anderen Seite des Wohnzimmers übertönt wird. (Mein nächstes "Projekt"!) Und das stimmt leider auch.
Media Center abgedreht, jetzt wird er nur mehr von meinem Laptop übertönt (und das heisst was).
Auch diesen abgedreht - So still war es noch nie in meinem Wohnzimmer!
Bei sonst völliger Stille im Raum sind nur noch ein leises Lüftchen und minimale Vibrationen der Festplatten zu hören. Durch Gumminoppen, Festplattenentkoppler und Drehzahlregler werde ich bei Gelegenheit auch noch diese kaum wahrnehmbaren Restgeräusche wegzaubern. Auf 0,3 bis 0,4 Sone lässt sich der "Lärm" laut c't reduzieren.
Vista hochkriegen
Jetzt kam aber der spannende, weil Software-Teil meines vorweihnachtlichen Abenteuers.
Aufdrehen, Vista bootet - Blue Screen of Death.
Recht bald erkannte ich, dass wohl meine alte Vista Installation andere SATA Treiber hatte. Aber die Treiber jetzt offline einzuspielen, war mir zu aufwendig, wenngleich es sicher irgendwie funktioniert hätte. (Tipps bitte als Kommentar posten!)
Daher im Bios auf AHCI umgeschalten. Der AHCI Modus von SATA Controllern ist bekanntlich dafür da, dass Betriebssysteme mit SATA Controllern über einheitliche AHCI Treiber kommunizieren können und keine speziellen SATA Treiber brauchen.
Doch immer noch: Blue Screen und Stop Fehler: 07B
07B in die Suchmaschine meiner Wahl eingegeben - und dieses hier gefunden:
http://support.microsoft.com/kb/922976/en-us
AHCI war in meiner alten Installation deaktiviert und muss erst in der Registry aktiviert werden:
Unter HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Services\Msahci den Value von 'Start' auf '0' setzen
Doch Hilfe, wie editiere ich die Registry, wenn ich das System nicht hochkriege?
Auch kein Problem:
- Booten von einer Windows PE CD* und
- regedit eingeben.
- Im Registry Editor mit der Funktion "Struktur laden..." die Struktur "HKEY_LOCAL_MACHINE" aus dem File SYSTEM in c:\windows\system32\config\ laden
- Da es in einer Offline Registry logischerweise kein "CurrentControlSet" gibt, habe ich den oben genannten Key sicherheitshalber in allen Controlsets ("ControlSet01"...) geändert.
- "Struktur entfernen..."
- Neustarten
* Alternativ wären dafür auch der ERD Commander aus dem Microsoft Desktop Optimization Pack oder Bart's PE in Frage gekommen. Da Bart's PE aber meines Wissens nach noch auf XP basiert, wäre ich hier vorsichtig.
Wie ich erst später durch einen Kommentar von "nergod" auf Vistablog erfuhr, hätte auch eine Vista DVD gereicht, Windows PE wäre gar nicht notwendig gewesen:
Die Windows Vista DVD ist ja bootfähig und bietet Systemwiederherstellungsfunktionen. Von dort aus einfach die Konsole aufrufen und regedit starten:
Danke an nergod für den Tipp!
Wäre es ein Vista Image (*.wim) gewesen - hätte man den registry Eingriff auch mit den Tools aus dem WAIK ("Windows Automated Installation Kit") machen können.
Das WAIK erlaubt übrigens auch das Erstellen einer bootfähigen CD mit Windows PE 2.0
Unglaublich aber wahr: Nach diesem kleinen chirurgischen Eingriff bootet Vista hoch, startet nachdem es von Windows Update mit Treibern versorgt wurde ein paar mal neu und Voilà - alles läuft einwandfrei und der Leistungsindex ist auch sehr zu meiner Zufriedenheit:
Eine kleiner Vorschlag noch in Richtung Microsoft: Es wäre schön, wenn die automatische Reparaturfunktion von Windows Vista eine Möglichkeit bieten würde, diesen MSAHCI Schlüssel zurückzusetzen, dann könnte auch der normale User, der sich nicht über regedit drübertraut sein System auf neue Hardware portieren. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja mit SP1.