Wieso HDR?

Mein größtes Hobby – HDR Fotografie.
Nun gibt es verschiedene Beweggründe, HDR Fotografie zu machen, manche haben einen künstlerischen Anspruch, manche wollen diesen unnatürlichen Look, der mitunter beim Tonemapping entsteht.
Worum geht es mir?
Den unnatürlichen Look mag ich nur bei sehr wenigen Motiven, nur dort wo er die Stimmung wirklich unterstreicht und das Bild künstlerisch interessanter macht, z.B. bei diesem HDR-Foto (eine meiner Lieblingskompositionen der letzten Zeit) aus Rochester, UK:

Rochester Cathedral HDR (c) 2012 Christian Haberl

Aber in Wahrheit geht es mir meistens um etwas ganz anderes – ich möchte natürlich wirkende Fotos machen, die der tatsächlichen Lichtstimmung am nächsten kommen, auch wenn dies auf Grund des Dynamikumfangs des Motivs technisch unmöglich ist.
Das menschliche Auge erfasst einen Dynamikumfang von 14 Lichtwerten, die Kamera  schafft nur 8, Fotopapier gar nur 6. Dazu kommt, dass das Auge sich dem Licht anpassen kann, ich kann also eine dunkle Stelle einer Landschaft betrachten und werde bald Details erkennen, die ich auf den ersten Blick nicht gesehen habe, und danach kann ich mein Auge auf die hellen Wolken ausrichten und nach kurzer Zeit werde ich auch dort feine Strukturen erkennen, die mir beim ersten Blick entgangen sind. Wie macht das Auge das? Indem es die Iris, vergleichbar mit der Blende der Kamera, verkleinert und vergrößert.

Eine Kamera kann das alles bei einem einzelnen Foto nicht machen, daher der zu kleine Dynamikumfang und das bedeutet im Normalfall, dass es Fotos gibt, die entweder unterbelichtet, oder überbelichtet, oder beides sind. Die einzige Methode dagegen ist eine Belichtungsreihe zu machen, und anschließend mittels HDR-Software die mehreren Bilder der Bildreihe wieder zu einem Bild zusammenzufügen und danach mittels “Tonemapping” die endgültige Licht/Farbkomposition herauszurechnen. Normalerweise reichen 3 Bilder, mit einem Abstand von 2 Lichtwerten, damit sollte sich der gesamte Dynamikumfang schon auf 12-14 Lichtwerte erhöhen. Möchte man auf Nummer sicher gehen, dass nichts mehr über- oder unterbelichtet ist, nimmt man 5 Fotos mit einem Abstand von 2 Lichtwerten (Blenden) und kombiniert das bei einem starken Gegenlichtmotiv noch mit einem starken Neutraldichtefilter.

Beispiel: Die Sonne ist gerade über dem Attergau aufgegangen und bricht gleißend hinter den Wolken hervor, die vom Regen, der soeben geendet hatte noch ein wenig schwarz und düster sind. Der Widerspruch zwischen den dramatischen Regenwolken und dem gleißend orange-gelben Licht der Morgensonne macht die Stimmung einzigartig.
Zugleich liegen noch Gebäude und Bäume im Vordergrund im Schatten. Das Auge erkennt ein sattes Orange hinter den Wolken, gleissende Stellen für die man schon eine Sonnenbrille braucht, und zugleich im Vordergrund grünes Gras, Details von Gebäuden und Bäumen, und die Reflexion der Morgensonne auf einem Hausdach.
Völlig unmöglich diese Szene ohne HDR einzufangen. Egal worauf man den Belichtungsmesser richtet, das Foto ist entweder unterbelichtet, oder überbelichtet, oder beides:

WP_001148WP_001150WP_001147

Links (Belichtungsmessung auf die Häuser): Man erkennt die Häuser- Das Gelb und Orange der Sonne ist aber nicht zu erkennen, da völlig überbelichtet, zugleich sind die Bäume und Sträucher rechts unten im dunkeln.

Mitte (Belichtungsmessung auf die Sträucher): Das Gras ist grün, die Bäume und Sträucher rechts unten sind ordentlich belichtet, der Himmel hingegen fast zur Gänze weiß, da überbelichtet.

Rechts (Belichtungsmessung auf die Sonne): Hier kann man das Orange und Gelb, das gleissende Licht der Morgensonne hinter den Wolken erahnen, zugleich ist aber fast das gesamte restliche Bild schwarz.

Hier das Ergebnis nach Zusammenfassung einer Belichtungsreihe (+1/0/-1) mit meiner Kompaktkamera Canon S100 und Tonemapping mit Photomatix Pro:

Attergau HDR (c) 2012 Christian Haberl

Eigentlich habe ich mich bemüht, beim Tonemapping sehr nahe an der echten Licht- und Farbstimmung zu sein, und ich glaube es ist mir ganz passabel gelungen. Evtl. ist das grün eine kleine Spur zu saftig und das Gelb ein wenig zu intensiv geraten, aber insgesamt ist das das Ergebnis, das der tatsächlich beobachteten Szene, also der Wirklichkeit am nächsten kommt.

Wieso wird es aber – sogar von einem befreundeten Hobbyfotografen – sofort als “nachbearbeitet” enttarnt? Meine Vermutung ist, dass man mit geschultem Auge sofort merkt, dass sich so ein Foto ohne Nachbearbeitung nicht machen ließe.
Das wichtigste bei guter HDR-Fotografie ist also in der Tat die “Selbstbschränkung” beim Tonemapping, den richtigen Mittelweg zwischen Realismus und surrealen Lichtverhältnisse. Das Computermagazin c’t schreibt das auch in der aktuellen Ausgabe, c’t 2012, Heft 21, Seite 107 unter dem Titel “Besser fotografieren, sanft mappen”
”Zu den überstrapazierten HDR-Effekten gehören surreale Lichtverhältnisse, Halos, Tonwert-Abrisse, wie gemeißelt wirkende Kanten (Emboss-Effekt) sowie unnatürlich satte Farben bei fehlenden Kontrasten. Gegen eine künstlerische Interpretation einer Szene ist in der Regel nichts einzuwenden, solange sie gut gemacht ist, die oben genannten Effekte gelten gemeinhin aber als handwerkliche Fehler.”
Fazit für mich: Bei dem Foto vom Sonnenaufgang über dem Attergau war mein Fehler, dass die Farben eine Spur zu unnatürlich satt waren.

Besser gelungen ist mir da dieses hier (auch mit besserer Kamera und Stativ und Graufilter, und mehr Zeit für’s Tonemapping):

Donauschlinge bei Niederranna, OÖ; HDR (C) 2012 Christian HaberlAuch hier ganz klar ein Motiv, dessen Dynamikumfang so hoch ist, da ohne HDR nur ein Bruchteil dessen eingefangen werden kann, was das Auge sieht.

 

 

 

 

 

 

 

Amsterdam HDR (C) 2012 Christian HaberlDas gleiche gilt für diese Amsterdam-Szene mit extremen Lichtern und Schatten – ohne HDR unmöglich:
(Statt einem Stativ wurde hier ein Fahrradsattel genommen, daher ist das ganze auch etwas schief)

 

 

 

 

 

 

Fazit: HDR ist eine wunderbare Technik um technisch sonst unmögliche Fotos möglich zu machen. Man sollte es aber nicht übertreiben, oder nur dann, wenn es künstlerisch unbedingt erforderlich ist in die surreale Trickkiste greifen.

Am 27.11. findet beim Clubcomputer ein Vortrag von mir zum Thema HDR-Fotografie statt, Anmeldung hier:
http://www.clubcomputer.at/forum/calendar.php?do=getinfo&e=20&day=2012-11-27&c=1&redirect=1

EDIT: Der Vortrag musste auf Jänner verschoben werden. Details und neuer Anmelde-Link folgen in Kürze.

How to shoot great HDR photos in 8 easy steps

HDR Melk 2011I love shooting HDR’s and panorama’s but keep forgetting the steps, so here is a note to myself and anyone else, who might find this useful. I use a Canon EOS 550D (T2I) and Photomatix Pro 4.1
Here’s an example of a recent HDR shot I took at Melk, Austria.
I also plan to shoot some more HDR at my upcoming NYC trip.

NYC is a great motive for HDR shooting with all the lights and shadows it has to offer. Here’s an example of my last NYC visit last summer:
HDR Panorama NYC from Empire State Building, 2011

I also love using HDR in museums where light is usually bad, flashing forbidden but taking pictures without flash is sometimes allowed. This was taken at Province House, Prince Edward Island, Canada last summer, it’s tonemapping is a bit much, I know, but I love it that way, it’s my favorite HDR shot so far:
HDR Province House, Prince Edward Island, Canada, 2011
I had to substitute the tripod (step 1) with a fence, so step 5 was very helpful, to avoid shaking.

Here are the 8 steps it takes to do this:

1. Use Tripod to make sure the three exposures are the same

clip_image002

2. Use RAW Format – for larger range of exposure values and to avoid compression artefacts

clip_image004

3. Set camera to AV-mode (for consistent depth of field)

clip_image006

4. Limit to ISO 100 to avoid noise
(or in dark scenes as low as possible, like 200 or 400)

clip_image008

5. Use 2 sec self-timer While some books recommend continuous shooting mode, 2 sec self timer is even better because you can take the hand off the camera before the camera shoots the pictures to avoid shaking the camera. Particularly helpful when you have no tripod and have to put the camera on top of some other structure such as a fence, pole, trashcan, cartop etc.

clip_image009

6. Auto Exposure Bracketing (AEB)
with +2 / -2 stops

 clip_image013clip_image011

7. Take Pictures

8. Tonemapping
Load into Photomatix Pro for post-processiong and tone-mapping

clip_image015

So here is the short version:

  1. Tripod
  2. RAW
  3. AV-mode
  4. ISO 100
  5. 2sec self-timer
  6. AEB +2/-2 stops
  7. Shoot
  8. Tonemap

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Über den Autor

MCTS

Christian Haberl Christian Haberl ist seit mehr als 10 Jahren als EDV Berater, Vortragender und Trainer tätig. Er kann sich nicht für ein Spezialgebiet entscheiden, drum heißt dieser Blog auch "Kraut & Rüben Blog" - Unter seine Interessen fallen Web-Entwicklung auf ASP.NET Basis, Information Worker & Productivity Technologien (Windows, Office), Server (Windows Server, Small Business, Virtualisierung, Exchange), Scripting, Spam Filtering/Security und Digital Home. Christian Haberl ist auch einer der führenden Produktspezialisten für Windows Media Center und Windows Home Server und ist Direktor des ClubDigitalHome.
Im Jahr 2008 hat Christian Haberl über 200 Vorträge und Schulungen durchgeführt.
Im Frühjahr 2009 wurde Christian Haberl von Microsoft Österreich zum "Influencer" ernannt, weiters wurde er Microsoft Certified Technology Specialist / Microsoft Certified Connected Home Integrator sowie Microsoft Certified Consumer Sales Specialist.

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